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Die Region Weser-Ems
Die Region Weser-Ems
Weser-Ems ist eine vielfältige, polyzentrisch geprägte Region mit starken Städten, ländlichen Räumen, Küsten- und Hafenstandorten sowie engen Verbindungen zu den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen. Ihre wirtschaftliche Stärke beruht auf einem breiten Branchenmix, einem leistungsfähigen Mittelstand und besonderen Kompetenzen in der maritimen Wirtschaft, der Energie- und Wasserstoffwirtschaft sowie der Agrar- und Ernährungswirtschaft.
Diese Vielfalt schafft gute Voraussetzungen, den tiefgreifenden Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft aktiv zu gestalten. Erneuerbare Energien, Häfen, industrielle Standorte, Bioökonomie, Wissenschaft und grenzüberschreitende Zusammenarbeit eröffnen neue Entwicklungschancen. Gleichzeitig stellen Fachkräftemangel, Infrastruktur- und Flächenengpässe, Digitalisierung, Genehmigungsprozesse und begrenzte kommunale Finanzspielräume die Region vor erhebliche Herausforderungen.
Die besondere Stärke von Weser-Ems liegt darin, unterschiedliche Teilräume und Kompetenzen miteinander zu verbinden und daraus gemeinsame Perspektiven für einen zukunftsfähigen Wirtschafts- und Lebensraum zu entwickeln.
Weser-Ems als vielseitiger Wirtschafts- und Lebensraum
Die Region Weser-Ems bildet den nordwestlichen Teil Niedersachsens und umfasst zwölf Landkreise sowie fünf kreisfreie Städte. Zur Region gehören die Landkreise Ammerland, Aurich, Cloppenburg, Emsland, Friesland, Grafschaft Bentheim, Leer, Oldenburg, Osnabrück, Vechta, Wesermarsch und Wittmund sowie die kreisfreien Städte Delmenhorst, Emden, Oldenburg, Osnabrück und Wilhelmshaven. Weser-Ems hat 2.569.485 Einwohner (Stand 31.12.2024) und ist bisher eine moderat wachsende Region (2.474.000 Einwohner in 2004).
Weser-Ems ist durch eine besondere räumliche Vielfalt geprägt. Die Region verbindet Küsten- und Hafenstandorte, Inseln und Wattenmeer, ländliche Räume, wachstumsstarke Mittelzentren, größere Städte, industrielle Standorte, agrarisch geprägte Räume sowie Grenzräume zu den Niederlanden und im Süden enge Verbindungen nach Nordrhein-Westfalen. Diese Struktur unterscheidet Weser-Ems von stärker monozentrisch geprägten Regionen.
Die regionale Entwicklung wird nicht durch ein einzelnes Zentrum bestimmt, sondern durch ein Netz aus Städten, Landkreisen, Wirtschaftsschwerpunkten, Hochschulstandorten, Häfen und ländlichen Wertschöpfungsräumen. Diese polyzentrische Struktur ist eine besondere Stärke, stellt aber zugleich erhöhte Anforderungen an Abstimmung, Kooperation und gemeinsame strategische Steuerung.
Weser-Ems gehört zu den wirtschaftlichen Leistungsräumen Niedersachsens mit spezifischem Profil. Die Region verfügt über eine breite wirtschaftliche Basis, die industrielle Wertschöpfung, mittelständische Unternehmen, Handwerk, maritime Wirtschaft, Hafenwirtschaft, Logistik, Agrar- und Ernährungswirtschaft, Energie, Bauwirtschaft, Maschinen- und Anlagenbau, Fahrzeugbau, Gesundheitswirtschaft, Tourismus sowie wissens- und unternehmensbezogene Dienstleistungen umfasst.
Charakteristisch ist dabei nicht eine einzelne dominante Branche, sondern die Kombination mehrerer starker Wirtschaftsbereiche. Diese Breite erhöht die Anpassungsfähigkeit der Region. Gleichzeitig führt sie dazu, dass Transformationsprozesse in sehr unterschiedlichen Branchen gleichzeitig bewältigt werden müssen.
Eine besondere Stärke liegt in der mittelständischen Prägung der Wirtschaft. In vielen Teilräumen wird die wirtschaftliche Entwicklung durch kleine und mittlere Unternehmen, familiengeführte Betriebe, Handwerk, produzierendes Gewerbe und regionale Dienstleister getragen. Diese Unternehmen sind häufig eng mit ihren Standorten verbunden, verfügen über spezialisierte Kompetenzen und bilden einen wesentlichen Teil der Beschäftigungs- und Ausbildungsbasis.
Für die Transformationsstrategie ist diese Struktur von besonderer Bedeutung. Technologische Erneuerung, Dekarbonisierung, Digitalisierung und Fachkräftesicherung müssen nicht nur in Großunternehmen, sondern vor allem in der Breite der regionalen Unternehmenslandschaft umgesetzt werden. Die Transformationsfähigkeit des Mittelstands wird damit zu einem zentralen Faktor für die Zukunftsfähigkeit von Weser-Ems.
Zu den prägenden Standortmerkmalen von Weser-Ems gehört die Küsten- und Hafenlage mit teilweise seeschifftiefem Fahrwasser. Emden, Wilhelmshaven, Brake, Nordenham, Leer, Papenburg und weitere maritime Standorte verbinden industrielle Produktion, Hafenwirtschaft, Schiffbau, maritime Dienstleistungen, Offshore-Wind, Energieimport, Logistik, Forschung und Qualifizierung sowie internationale Handelsbeziehungen.
Die Region verfügt damit über Standortvoraussetzungen, die im Zuge der Energie- und Industrietransformation weiter an Bedeutung gewinnen. Häfen sind nicht nur Umschlagplätze, sondern überregionale Infrastrukturen für erneuerbare Energien, Wasserstoff, industrielle Dekarbonisierung, Offshore-Strukturen, die Marine und resiliente Lieferketten.
Die künftige Entwicklung wird stark von Dekarbonisierung, Digitalisierung, neuen Antriebssystemen, Green Shipping, Green Ports, Fachkräftesicherung und der weiteren Entwicklung der Offshore-Wind-Wirtschaft geprägt.
Ein zentrales Standortmerkmal von Weser-Ems ist die energiewirtschaftliche Bedeutung der Region. Weser-Ems verfügt über besondere Potenziale bei erneuerbaren Energien, Netzinfrastruktur, Wasserstoff, Speicherlösungen, Sektorenkopplung und industrieller Nutzung klimaneutraler Energie.
Die energetische Transformation ist für Weser-Ems zukunftsprägend. Maßgeblich sind hierbei insbesondere die Systemintegration, Sektorenkopplung, Wasserstoff-Wertschöpfungsketten, erneuerbare Energien, Repowering, Speicher, Flexibilität, Resilienz, Wärmewende, nachhaltige Mobilität, Forschung, Innovation, Fachkräfte, Akzeptanz und europäische Vernetzung.
Für die künftige Standortentwicklung entsteht daraus eine neue Logik: Industrie- und Gewerbestandorte werden künftig nicht mehr allein nach Verkehrsanbindung, Flächenverfügbarkeit und Arbeitskräftepotenzial bewertet. Zunehmend entscheidend ist, ob erneuerbare Energie räumlich verfügbar, netzseitig anschließbar, speicherbar, in Wärme- und Wasserstoffinfrastrukturen integrierbar und wirtschaftlich nutzbar ist. Energieinfrastruktur, Speicher, Wasserstoff, Abwärmepotenziale, Wärmeplanung und Gewerbeflächenentwicklung müssen deshalb gemeinsam betrachtet werden. Weser-Ems kann daraus ein besonderes Standortprofil für klimaneutrale Industrien, transformationsorientierte Ansiedlungen und energieintensive Wertschöpfung entwickeln.
Damit liegt in Weser-Ems eine besondere Ausgangssituation vor. Die Region ist nicht nur von der Energiewende betroffen, sondern verfügt über erhebliche Potenziale, diese zu gestalten. Dies betrifft sowohl die Erzeugung und Verteilung erneuerbarer Energien als auch deren industrielle Nutzung. Die Verbindung von Energieerzeugung, Häfen, Industrieflächen, Netzinfrastruktur und Unternehmen schafft besondere Voraussetzungen für klimaneutrale Wertschöpfung und neue industrielle Ansiedlungen.
Die Agrar- und Ernährungswirtschaft bildet einen weiteren strukturellen Schwerpunkt der Region. Insbesondere im westlichen und südlichen Weser-Ems und im Oldenburger Münsterland bestehen leistungsfähige Wertschöpfungsketten in Landwirtschaft, Verarbeitung, Logistik, Ernährung, Maschinenbau, Stalltechnik, Tierhaltung, Futtermittelwirtschaft, Agrartechnik und begleitenden Dienstleistungen. Auch die Grünland- und Milchviehwirtschaft vor allem im nördlichen Weser-Ems-Raum bildet einen starken Sektor.
Damit verfügt Weser-Ems über eine herausragende Basis für die Weiterentwicklung der Bioökonomie, Kreislaufwirtschaft, nachhaltiger Landwirtschaft, digitalisierten Produktionsprozessen und neuen stofflichen Nutzungen von Neben- und Reststoffströmen.
Die Transformation der Agrar- und Ernährungswirtschaft ist für Weser-Ems von besonderer Bedeutung, weil sie ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Anforderungen miteinander verbindet. Klimaschutz, Ressourceneffizienz, Tierwohl, Wettbewerbsfähigkeit, Akzeptanz, Fachkräfte und neue Wertschöpfungsmodelle müssen in Einklang gebracht werden.
Neben den ländlich und industriell geprägten Räumen verfügen die Städte der Region über wichtige Funktionen für Wissenschaft, Bildung, Versorgung, Kultur, Dienstleistungen und Innovation. Oldenburg, Osnabrück, Wilhelmshaven, Emden, Leer und Lingen sind bedeutende Hochschul-, Wissenschafts- und Dienstleistungsstandorte. Emden und Wilhelmshaven haben besondere Funktionen als Hafen-, Industrie- und Energiestandorte.
Die Städte sind in Weser-Ems kein Gegenpol zu den ländlichen Räumen, sondern zentrale Standorte innerhalb einer polyzentrischen insgesamt ländlichen Region. Die Transformationsstrategie berücksichtigt diese Verbindungen. Urbane Innovations-, Wissenschafts- und Dienstleistungsfunktionen, industrielle Standorte, ländliche Produktionsräume, Wohnstandorte, touristische Räume und infrastrukturelle Knotenpunkte bilden gemeinsam das räumliche Entwicklungspotenzial.
Die Grenzlage zu den Niederlanden ist ein besonderes Standortmerkmal. Sie eröffnet Potenziale für grenzübergreifende Wertschöpfung, Arbeitsmarktverflechtungen, gemeinsame Forschung, Energieinfrastruktur, Logistik, Wasserwirtschaft, Tourismus und europäische Kooperation.
Gleichzeitig erfordert sie eine strategische Bearbeitung von Schnittstellen, beispielsweise bei Infrastruktur, Fachkräftegewinnung, Genehmigungsfragen, Wasser- und Küstenmanagement oder Energieprojekten. Für eine Transformationsstrategie ist die Grenzlage daher nicht nur geografischer Rahmen, sondern ein eigenständiger Entwicklungsvorteil.
Die heutige Ausgangssituation in Weser-Ems ist nicht nur durch starke Standortmerkmale, sondern auch durch erheblichen Transformationsdruck geprägt. Die Energieversorgung, die Beschäftigung, die Landwirtschaft, die Bevölkerungsstruktur, die Mobilität sowie die Veränderung von Arbeit und Verwaltung durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz werden entsprechend adressiert.
Weser-Ems ist vor allem eine Region, die in besonderer Weise für eine neue grüne industrielle Entwicklung in Deutschland stehen will. Gleichzeitig ist zu konstatieren, dass "Transformation" nicht ausschließlich eine Gestaltungsaufgabe ist, sondern die Region, ihre Landkreise und kreisfreien Städte auch durch transformative und externe Entwicklungen getrieben werden.
Daraus ergibt sich eine doppelte strategische Ausgangslage. Einerseits verfügt Weser-Ems über erhebliche Chancen, weil zentrale Zukunftsthemen der Transformation unmittelbar an vorhandene regionale Stärken anschließen. Dies betrifft insbesondere Energie, maritime Wirtschaft, Bioökonomie, Wasser, industrielle Wertschöpfung, kleine und mittlere Unternehmen, Wissenschaft, Grenzlage und Flächenpotenziale.
Andererseits bestehen Transformationshemmnisse, die die künftige Entwicklung begrenzen können. Dazu gehören Fachkräftemangel, Engpässe bei Infrastruktur und Flächen, Planungs- und Genehmigungsprozesse, sehr enge kommunale Finanzspielräume und die digitale Leistungsfähigkeit.